Es hat leider nichts mit Musik zu tun. Es sind die immer gleichen Nachrichten über den gewaltsamen Umgang mit Menschen, die einfach nur friedlich leben und ihren Job tun. Da ich solche Nachrichten zunehmend weniger ertrage, hier ein politischer Beitrag mit der Einladung, sich zu beteiligen.

Am 30. April 2017 wurde die türkisch-deutsche Journalistin Mesale Tolu früh um vier Uhr in Gegenwart ihres zweijährigen Sohns von schwer bewaffneten Polizisten verhaftet. Der offizielle Grund wechselt zwischen Propaganda für linke Terrorgruppen und Spionage. Ihr einziges „Vergehen“: Das Verfassen von Artikeln, die der türkischen Regierung nicht genehm sind.

Details finden Sie, wenn Sie auf das Bild links klicken.

Ich kenne Mesale Tolu nicht persönlich. Aber ich weiß, dass kein menschliches Wesen diese Behandlung verdient und dass das freie Wort ein Teil der ethischen Grundkoordinaten in Europa ist. Jeder Mensch, der ohne Vergehen weggesperrt wird, ist eine Anklage gegen das humanistische Weltbild, für das Europa seit der Aufklärung steht. Die meisten Namen der Opfer kenne ich nicht. Die Namen von Mesale Tolu und Deniz Yüksel hingegen wohl. Daher habe ich die Kampagne für den einen unterschrieben und für die andere eine Petition eröffnet, da ich keine bereits Bestehende finden konnte. Sie erreichen sie über den nebenstehenden „Join the campaign“-Link.

Unabhängig davon: Eine gewaltsame Trennung des Kindes von der Mutter wirkt für beide traumatisch. Mit Blick auf die kindliche Entwicklungspsychologie sind die Folgen geradezu verheerend und nebenher sorgen die türkischen Behörden auf die mit Abstand nachhaltigste Art und Weise dafür, die Gewalt in die nächste Generation zu tragen. Ist das der Sinn von „Politik“? Warum können Menschen nicht einfach friedlich leben, ohne befürchten zu müssen, aufgrund ihrer Meinung, ihrer Herkunft, ihrer Religion wegen verfolgt oder eingesperrt zu werden? Oder Schlimmeres…

Sind Sie, Herr Erdogan, in Ihrer neu gewonnenen politischen Macht immer noch so schwach, dass Sie eine Journalistin wegsperren müssen, die einfach nur ihren Job macht? Ist wirkliche, innere Stärke nicht die Fähigkeit, die Meinungen anderer zulassen zu können?

Überhaupt: Warum müssen solche Fragen im 21. Jahrhundert eigentlich immer noch gestellt werden?

Lassen Sie Frau Tolu bitte frei.